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Bernhard Schlink

 

Bernhard Schlink, 1944 in Bielefeld geboren, wuchs in Heidelberg auf. Er studierte in Heidelberg und Berlin Jura. 1975 hat er in Heidelberg promoviert, 1981 für Staats- und Verwaltungsrecht, Rechtsphilosophie sowie Rechts- und Verwaltungsinformatik in Freiburg/Breisgau habilitiert. 1982–1991 lehrte er in Bonn, 1991–1992 in Frankfurt am Main, 1992–2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin und von 1994 bis 2016 als Gastprofessor an der Benjamin N. Cardozo School of Law in New York. Von 1988–2006 war er Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Nach dem Mauerfall 1989 wirkte er am runden Tisch an der Ausarbeitung einer Übergangsverfassung für die DDR mit. Er hat in mehreren Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und Landesverfassungsgerichten mitgewirkt; im Verfahren um die Auflösung des Bundestages vor dem Bundesverfassungsgericht im August 2005 war er der Prozessvertreter der Regierung Gerhard Schröder.

Neben seiner Karriere als Jurist ist Schlink Schriftsteller. Als juristischer Autor war er bereits bekannt, als er 1987 mit seinem Freund Walter Popp den ersten Kriminalroman, Selbs Justiz, veröffentlichte, in dem sich ein Detektiv mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich konfrontiert sieht. 1988 folgte Die gordische Schleife, 1992 Selbs Betrug, und 2001 schloss Schlink mit seinem bislang letzten Kriminalroman die Selb-Trilogie mit Selbs Mord ab.

Zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren wurde Schlink mit seinem in 51 Sprachen übersetzten Roman Der Vorleser (1995), den die etablierte deutsche Literaturkritik zunächst verhalten aufnahm. 1997 erschien der Roman in den USA (The Reader). Er wurde von der US-Talkmasterin Oprah Winfrey 1999 zum Buch des Monats gekürt und eroberte die amerikanischen Bestseller-Listen (u. a. als erster deutscher Roman auf Platz 1 der New York Times-Bestseller-Liste). Nicht zuletzt der Erfolg im Ausland steigerte auch das deutsche Interesse am Roman; er wurde Schullektüre. 2007/2008 wurde er von Stephen Daldry mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross verfilmt.

Nach seinem internationalen Durchbruch legte Schlink im Jahr 2000 seinen ersten Erzählband Liebesfluchten vor und 2006 mit Die Heimkehr einen weiteren Roman, in dem die heutige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Zentrum steht. Die aktuelle Diskussion um den Terrorismus der 70er und 80er Jahre spiegelt sich in seinem 2008 erschienenen Roman Das Wochenende wider. Mit Vergewisserungen und Vergangenheitsschuld veröffentlichte er 2005 und 2007 zwei Essaybände.

Bernhard Schlink lebt in Berlin und New York. Sein Werk ist in über fünfzig Sprachen übersetzt (Stand Juni 2018).

 

Werke

Selbs Justiz. Zusammen mit Walter Popp · Roman, Zürich: Diogenes, 1987

Die gordische Schleife · Roman, Zürich: Diogenes, 1988

Selbs Betrug · Roman, Zürich: Diogenes, 1992

Der Vorleser · Roman, Zürich: Diogenes, 1995

Liebesfluchten · Geschichten, Zürich: Diogenes, 2000

Selbs Mord · Roman, Zürich: Diogenes, 2001

Vergewisserungen. Über Recht, Politik, Schreiben und Glauben, Zürich: Diogenes, 2005

Die Heimkehr · Roman, Zürich: Diogenes, 2006

Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema. Zürich: Diogenes

Das Wochenende · Roman, Zürich: Diogenes, 2008

Sommerlügen · Geschichten. Zürich: Diogenes, 2010; Taschenbuchausgabe ebd., 2012

Selb-Trilogie · Romane als Taschenbücher im Schuber

Gedanken über das Schreiben. Heidelberger Poetikvorlesungen. Zürich: Diogenes, 2011

Die Frau auf der Treppe · Roman, Zürich: Diogenes, 2014

Erkundungen zu Geschichte, Moral, Recht und Glauben. Zürich: Diogenes, 2015

Olga · Roman, Zürich: Diogenes, 2018

 

Auszeichnungen

1989 Autorenpreis deutschsprachige Kriminalliteratur ›Der Glauser‹ für Die gordische Schleife

1993 ›Deutscher Krimi-Preis‹ des Bochumer Krimi Archivs für Selbs Betrug

1997 ›Grinzane-Cavour-Preis‹ (Italien) für Der Vorleser

1997 ›Hans-Fallada-Preis‹ der Stadt Neumünster für Der Vorleser

1997 ›Prix Laure Bataillon‹ (Frankreich) für Der Vorleser (Auszeichnung für den Autor sowie für den Übersetzer Bernard Lortholary)

1999 Erstmals verliehener ›Welt-Literaturpries‹ für sein literarisches Schaffen

2000 ›Ehrengabe‹ der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf

2000 ›Evangelischer Buchpreis‹ des Deutschen Verbandes Evangelischer Büchereien für Der Vorleser

2000 ›Sonderkulturpreis‹ der japanischen Tageszeitung Mainichi Shinbun, der jedes Jahr an einen japanischen Buchbestseller vergeben wird für Der Vorleser

2001 Ernennung zum ›Chevalier dans l’Ordre de la Légion d’Honneur‹

2001 Finnischer Literaturpreis ›Eeva Joenpelto-Preis‹ der Gemeinde Lohja

2002 ›Preis des German-British Forum‹ für sein Gesamtwerk

2003 ›Bundesverdienstkreuz 1. Klasse‹ für Der Vorleser

2014 ›Pak Kyongni Prize‹ der koreanischen Kulturstiftung Toji für sein schriftstellerisches Schaffen

 

Verfilmungen

Der Tod kam als Freund · ZDF 1991.

Regie: Nico Hofmann. Drehbuch: Ullis Stephan nach dem Roman Selbs Justiz. Mit Joost Siedhoff,

Martin Benrath, Werner Kreindl und Hannelore Elsner.

The Reader/Der Vorleser · USA 2008.

Regie: Stephen Daldry. Drehbuch: David Hare nach dem Roman Der Vorleser. Mit Kate Winslet,

Ralph Fiennes, David Kross, Bruno Ganz, Karoline Herfurth, Hannah Herzsprung u.a. Kino

USA/D: 2009.

The Other Man/Der Andere · UK 2008.

Regie: Richard Eyre. Drehbuch: Charles Wood, Richard Eyre nach der gleichnamigen Erzählung

aus dem Band Liebesfluchten. Mit Laura Linney, Liam Neeson, Antonio Banderas, Romola Garai

u. a. Produktion: Rainmark Films/Togham Productions. Verleih: Koch Media. Kino (D): 2010

Das Wochenende · D 2011.

Regie und Drehbuch: Nina Grosse, nach dem Roman Das Wochenende. Mit Katja Riemann,

Sebastian Koch, Barbara Auer, Tobias Moretti, Sylvester Groth, Robert Gwisdek u.a.