DLT2019: Autoren

Autoren der Donnersberger Literaturtage 2019:

Annegret Held

Bernhard Schlink

Sumaya Farhat-Naser

Michael Bauer

Inger-Maria Mahlke

Saša Stanišić

Carla Fernandes-Schlegel

Timo Scherne

Birgit Heid

Katrin Tempel

Katharina Elsinger

Monika Böss

Marianne Baun

„Angekommen“ von Barbara und Gregor Dittmer

Werk von Gregor Dittmer

Annegret Held

Annegret Held wurde 1962 im kleinen Westerwalddörfchen Pottum geboren und sehr katholisch erzogen. Im Jahr 81 machte sie in Westerburg ihr Abitur. Anschließend leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung der Lebenshilfe ab. Ab 1982 besuchte sie die Polizeischule in Wiesbaden, um drei Jahre lang in Frankfurt und Darmstadt als Polizeihauptwachtmeisterin Streife zu fahren. Darüber erschien 1988 ihr erstes Buch: Meine Nachtgestalten, Eichbornverlag, später unter dem Titel „Die Polizistin“ verfilmt (von Andreas Dresen und Laila Stieler, für den die beiden zusammen mit den Darstellern Gabriela Maria Schmeide und Axel Prahl 2001 mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet wurden).

Annegret Held ist eine eine der renommiertesten und produktivsten Autorinnen in Rheinland-Pfalz, eine die sowohl städtische als auch ländlich-provinzielle Gegenwartsrealität schildert. Held hing die Uniform an den Nagel und begann in Heidelberg Ethnologie und Kunstgeschichte zu studieren und schaffte es immerhin bis zur Zwischenprüfung. Ein Kind kam zur Welt, das sie als Alleinerziehende in einer Frauen-WG heranzog. Später im Jahr 1990 zog sie mit dem Kind zurück nach Frankfurt und arbeitete fünf Jahre lang in der Buchhandlung Hugendubel.

Annegret Held ist eine fulminante Erzählerin, die ihre Figuren im Kontext zu Herkunft, Geschichte, Heimat agieren lässt. Kein literarisches Spektakel, sondern spannend erzählte Geschichten. Viele ihrer Romane sind in ihrer Westerwälder Heimat verortet:

  • Mein Bruder sagt, du bist ein Bulle (1990), Rowohlt Rotfuchs,
  • Mein Schatten, mein Echo und ich, (1994) bei Rowohlt Neue Frau.
  • In Am Aschermittwoch ist alles vorbei von 1997 wird das karnevalistische Treiben in einem katholisch geprägten Westerwald-Dorf romanhaft in vielen Dialogen nachgezeichnet.
  • Die Baumfresserin, (1999), Rowohlt Hardcover,
  • Hesters Traum, (2001) Rowohlt Hardcover,
  • Ihr Roman Das Zimmermädchen von 2004 wurde 2005 für das ZDF als Fernsehspiel verfilmt. ISBN 978-3-936384-06-2 (vom ZDF verfilmt)
  • Die letzten Dinge, Eichborn, Frankfurt a. M. 2005. ISBN 978-3-8218-5733-6 (vom ZDF unter dem Titel “ Lotta & die alten Eisen“ (+ vier Fortsetzungen) verfilmt, Hauptrolle: Josefine Preuß, Erstausstrahlung: 20. Januar 2010)
  • Fliegende Koffer, Eichborn, Frankfurt a. M. 2009. ISBN 978-3-8218-5732-9
  • Apollonia, Eichborn, Köln 2012. ISBN 978-3-8479-0507-3
  • Armut ist ein brennend Hemd (2015)

Um sich zu finanzieren, arbeitete Held immer wieder in den unterschiedlichsten Berufen: als Anwaltsgehilfin, Fabrikarbeiterin, Zimmermädchen, Sekretärin bei Siemens, im ambulanten Pflegedienst und im Altersheim und schließlich endlich Fluggastkontrolleurin auf dem Flughafen Frankfurt.


Preise: Glaser-Förderpreis, Martha-Saalfeld-Preis, Koblenzer Literaturpreis, Förderpreis der Akademie der Künste in Berlin in der Sparte Literatur.

Stipendien: Ledighouse, New York; Schloß Wiepersdorf; Künstlerhaus Ahrendshoop; Arno-Schmidt-Stiftung.

Annegret Held ist Mitglied der Schriftsteller-Vereinigung PEN-Zentrum Deutschland.

Bernhard Schlink

Bernhard Schlink, 1944 in Bielefeld geboren, wuchs in Heidelberg auf. Er studierte in Heidelberg und Berlin Jura. 1975 hat er in Heidelberg promoviert, 1981 für Staats- und Verwaltungsrecht, Rechtsphilosophie sowie Rechts- und Verwaltungsinformatik in Freiburg/Breisgau habilitiert. 1982–1991 lehrte er in Bonn, 1991–1992 in Frankfurt am Main, 1992–2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin und von 1994 bis 2016 als Gastprofessor an der Benjamin N. Cardozo School of Law in New York. Von 1988–2006 war er Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Nach dem Mauerfall 1989 wirkte er am runden Tisch an der Ausarbeitung einer Übergangsverfassung für die DDR mit. Er hat in mehreren Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und Landesverfassungsgerichten mitgewirkt; im Verfahren um die Auflösung des Bundestages vor dem Bundesverfassungsgericht im August 2005 war er der Prozessvertreter der Regierung Gerhard Schröder.

Neben seiner Karriere als Jurist ist Schlink Schriftsteller. Als juristischer Autor war er bereits bekannt, als er 1987 mit seinem Freund Walter Popp den ersten Kriminalroman, Selbs Justiz, veröffentlichte, in dem sich ein Detektiv mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich konfrontiert sieht. 1988 folgte Die gordische Schleife, 1992 Selbs Betrug, und 2001 schloss Schlink mit seinem bislang letzten Kriminalroman die Selb-Trilogie mit Selbs Mord ab.

Zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren wurde Schlink mit seinem in 51 Sprachen übersetzten Roman Der Vorleser (1995), den die etablierte deutsche Literaturkritik zunächst verhalten aufnahm. 1997 erschien der Roman in den USA (The Reader). Er wurde von der US-Talkmasterin Oprah Winfrey 1999 zum Buch des Monats gekürt und eroberte die amerikanischen Bestseller-Listen (u. a. als erster deutscher Roman auf Platz 1 der New York Times-Bestseller-Liste). Nicht zuletzt der Erfolg im Ausland steigerte auch das deutsche Interesse am Roman; er wurde Schullektüre. 2007/2008 wurde er von Stephen Daldry mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross verfilmt.

Nach seinem internationalen Durchbruch legte Schlink im Jahr 2000 seinen ersten Erzählband Liebesfluchten vor und 2006 mit Die Heimkehr einen weiteren Roman, in dem die heutige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Zentrum steht. Die aktuelle Diskussion um den Terrorismus der 70er und 80er Jahre spiegelt sich in seinem 2008 erschienenen Roman Das Wochenende wider. Mit Vergewisserungen und Vergangenheitsschuld veröffentlichte er 2005 und 2007 zwei Essaybände.

Bernhard Schlink lebt in Berlin und New York. Sein Werk ist in über fünfzig Sprachen übersetzt (Stand Juni 2018).

Werke

Selbs Justiz. Zusammen mit Walter Popp · Roman, Zürich: Diogenes, 1987

Die gordische Schleife · Roman, Zürich: Diogenes, 1988

Selbs Betrug · Roman, Zürich: Diogenes, 1992

Der Vorleser · Roman, Zürich: Diogenes, 1995

Liebesfluchten · Geschichten, Zürich: Diogenes, 2000

Selbs Mord · Roman, Zürich: Diogenes, 2001

Vergewisserungen. Über Recht, Politik, Schreiben und Glauben, Zürich: Diogenes, 2005

Die Heimkehr · Roman, Zürich: Diogenes, 2006

Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema. Zürich: Diogenes

Das Wochenende · Roman, Zürich: Diogenes, 2008

Sommerlügen · Geschichten. Zürich: Diogenes, 2010; Taschenbuchausgabe ebd., 2012

Selb-Trilogie · Romane als Taschenbücher im Schuber

Gedanken über das Schreiben. Heidelberger Poetikvorlesungen. Zürich: Diogenes, 2011

Die Frau auf der Treppe · Roman, Zürich: Diogenes, 2014

Erkundungen zu Geschichte, Moral, Recht und Glauben. Zürich: Diogenes, 2015

Olga · Roman, Zürich: Diogenes, 2018

Auszeichnungen

1989 Autorenpreis deutschsprachige Kriminalliteratur ›Der Glauser‹ für Die gordische Schleife

1993 ›Deutscher Krimi-Preis‹ des Bochumer Krimi Archivs für Selbs Betrug

1997 ›Grinzane-Cavour-Preis‹ (Italien) für Der Vorleser

1997 ›Hans-Fallada-Preis‹ der Stadt Neumünster für Der Vorleser

1997 ›Prix Laure Bataillon‹ (Frankreich) für Der Vorleser (Auszeichnung für den Autor sowie für den Übersetzer Bernard Lortholary)

1999 Erstmals verliehener ›Welt-Literaturpries‹ für sein literarisches Schaffen

2000 ›Ehrengabe‹ der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf

2000 ›Evangelischer Buchpreis‹ des Deutschen Verbandes Evangelischer Büchereien für Der Vorleser

2000 ›Sonderkulturpreis‹ der japanischen Tageszeitung Mainichi Shinbun, der jedes Jahr an einen japanischen Buchbestseller vergeben wird für Der Vorleser

2001 Ernennung zum ›Chevalier dans l’Ordre de la Légion d’Honneur‹

2001 Finnischer Literaturpreis ›Eeva Joenpelto-Preis‹ der Gemeinde Lohja

2002 ›Preis des German-British Forum‹ für sein Gesamtwerk

2003 ›Bundesverdienstkreuz 1. Klasse‹ für Der Vorleser

2014 ›Pak Kyongni Prize‹ der koreanischen Kulturstiftung Toji für sein schriftstellerisches Schaffen

Verfilmungen

Der Tod kam als Freund · ZDF 1991. Regie: Nico Hofmann. Drehbuch: Ullis Stephan nach dem Roman Selbs Justiz. Mit Joost Siedhoff, Martin Benrath, Werner Kreindl und Hannelore Elsner.

The Reader/Der Vorleser · USA 2008. Regie: Stephen Daldry. Drehbuch: David Hare nach dem Roman Der Vorleser. Mit Kate Winslet, Ralph Fiennes, David Kross, Bruno Ganz, Karoline Herfurth, Hannah Herzsprung u.a. Kino USA/D: 2009.

The Other Man/Der Andere · UK 2008. Regie: Richard Eyre. Drehbuch: Charles Wood, Richard Eyre nach der gleichnamigen Erzählung aus dem Band Liebesfluchten. Mit Laura Linney, Liam Neeson, Antonio Banderas, Romola Garai u. a. Produktion: Rainmark Films/Togham Productions. Verleih: Koch Media. Kino (D): 2010

Das Wochenende · D 2011. Regie und Drehbuch: Nina Grosse, nach dem Roman Das Wochenende. Mit Katja Riemann, Sebastian Koch, Barbara Auer, Tobias Moretti, Sylvester Groth, Robert Gwisdek u.a

Sumaya Farhat-Naser

Sumaya Farhat-Naser wurde am 11.6.1948 in Bir Zait bei Jerusalem geboren, im Jahr der Gründung des Staates Israel. Sie wuchs dort in einer palästinensischen christlich geprägten Familie auf und besuchte eine Internatsschule deutscher Diakonissen in der Nähe von Bethlehem. Nach dem Abitur studierte sie von 1979 bis 1982 in Hamburg Biologie, Geografie und Erziehungswissenschaften und promovierte in angewandter Botanik. 1982 bis 1997 war sie Dozentin für Botanik und Ökologie an der palästinensischen Universität Bir Zait, von 1997 bis 2001 Leiterin des palästinensischen Jerusalem Center for Women, das sich gemeinsam mit der israelischen Gruppierung „Bat Shalom“ für den Frieden engagiert. Sie war die erste Palästinenserin, die öffentlich mit israelischen Frauen über einen möglichen Frieden diskutierte.

Auch als der Alltag immer schwieriger wurde und sie nur noch wenig Bewegungsfreiheit hatte, hielt sie den Dialog mit ihren israelischen Mitstreitern aufrecht und schmuggelte sich manchmal für Vorträge durch die Checkpoints nach Israel. Als man ihr 2002 das Bürgermeisteramt in Bir Zait anbot, lehnte sie ab, da sie sich nicht als politische Verwalterin versteht, sondern als Erziehungsarbeiterin. In Friedensinitiativen und Frauengruppen sowie in Seminaren mit Jugendlichen setzt sie sich seit Jahrzehnten für Dialog und Gewaltverzicht bei der Lösung des Nahostkonflikts ein.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hält die Friedensaktivistin regelmäßig Vorträge über Erziehung, Frauen, Alltag, Ökologie, stellt ihre Bücher vor und berichtet auch im deutschen Rundfunk und Fernsehen über die Lage in Palästina. Aber sie erzählt auch in Palästina von ihren Erfahrungen in Deutschland.

Wichtig sei es, nie dem Hass Raum zu geben, sagte die Palästinenserin während einer Lesung in Köln im Jahr 2012, „denn Hass zersetzt die Seele.“

Sumaya Farhat-Naser ist verheiratet und hat drei Kinder.

Auszeichnungen  

Für ihr Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a.:

1995 den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte

2002 mit der Israelin Gila Svirsky die Hermann-Kesten-Medaille vom deutschen PEN-Zentrum sowie

2011 den AMOS-Preis der Offenen Kirche.

Veröffentlichungen

Verwurzelt im Land der Olivenbäume.  Eine Palästinenserin im Streit für den Frieden. Lenos, Basel 1988; ISBN 978-3-85787-688-2

Thymian und Steine. Eine palästinensische Lebensgeschichte. Lenos, Basel 1995; ISBN 978-3-85787-719-3

Im Schatten des Feigenbaums. Lenos, Basel 2013, ISBN 978-3-85787-436-9

Ein Leben für den Frieden. Lesebuch aus Palästina. Lenos, Basel 2017, ISBN 978-3-85787-479-6

Dieses Buch zeichnet anhand einer Auswahl ihrer Texte den Lebensweg der engagierten Friedensvermittlerin von 1948 bis in die Gegenwart nach. In Auszügen erzählt Sumaya Farhat-Naser aus dem Alltag und von ihrer Arbeit in dem seit 50 Jahren von Israel besetzten Westjordanland.

Michael Bauer

Michael Bauer (*1947 in Kaiserslautern) studierte in Saarbrücken und Mainz Deutsche Philologie. Nach dem Staatsexamen trat er zwei Jahe lang als Liedermacher auf tingelte über viele Kleinkunstbühnen.

Nachdem er eine Buchhändlerlehre abgeschlossen hatte war er eine Zeitlang in Frankfurt/Main, Wiesbaden und Mainz in diesem Beruf tätig. Schließlich machte er sich selbständig und war viele Jahre lang Redakteur und Moderator beim SWF/SWR (1986-2009); wie auch bei anderen Rundfunkanstalten. Als Radio- und Fernsehautor veröffentlichte er u. a. Hörspiele, Features und Glossen. Seit 2009 arbeitet er als Theaterdramaturg Buch-, Rundfunk-, Zeitungsautor und Schreibcoach.

Für Aufsehen sorgte er, als er 1991 in Bockenheim den Jakob-Böshenz-Preis für das literarische Gesamtwerk nach der Verleihung zurückgab, weil er von Böshenz’ Sympathien für die Machthaber im Dritten Reich erfahren hatte. Trotz mancher Animositäten, die Bauer damals spontan entgegengebracht wurden, verschwand der strittige Preis binnen kurzer Zeit aus der Palette der Bockenheimer Mundartauszeichnungen.

Großen Publikumserfolg hatte Bauer mit der Figur ‚De klääne Pälzer‘, illustriert von Zeichner Xaver Mayer. Es entstand eine Serie, die den Weg in die Sonntagszeitung Sonntag Aktuell und in mehrere Buchauflagen fand. Ebenso imponiert er mit der ‚Winz-Lyrik‘ ebenda.

Über sein Schaffen führt er aus:

Er baue so einige  Sprachebenen in seine Wortfunken sprühende Poesie ein, mische sie mit selbst erfundenen Wortmaterial und nutze gern auch die pfälzische Mundart als „Wort-Steinbruch“. Die Literaturkritikerin Gabriele Weingartner nannte ihn in der RHEINPFALZ einen „großen Poeten“. Im Feuilleton des WIESBADENER KURIER stand, eine Lesung mit ihm sei ein „außerordentliches Hörvergnügen“. Gretchen Dutschke sagte von seinem neuen Roman „Dutschki vom Lande“, aus dem er zuletzt auch in Wien, Berlin, im Elsass und in Leipzig las, sie habe ihn mit großem Vergnügen gelesen. In Kibo wird Bauer wird nicht zuletzt auch Kostproben seiner Übertragungen von Shakespeare-Sonetten ins Pfälzische zum Besten geben.

Inger-Maria Mahlke

Inger-Maria Mahlke wuchs in Lübeck und auf Teneriffa auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete dort am Lehrstuhl für Kriminologie. 2009 gewann sie den Berliner Open Mike. Ihr Debütroman „Silberfischchen“ wurde ein Jahr später mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis ausgezeichnet. Für einen Auszug aus ihrem Roman „Rechnung“ offen bekam sie beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis den Ernst-Willner-Preis zugesprochen; 2014 erhielt sie den Karl-Arnold-Preis der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Ihr Roman „Wie Ihr wollt“ gelangte unter anderem auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises, den sie 2018 für den Roman „Archipel“ dann erhielt.

Inger-Maria Mahlke ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt. In „Archipel“ führt sie rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege.

Inger-Maria Mahlke lebt in Berlin.

Zum Roman „Archipel“

„Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte“. Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite. Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.

Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González‘ – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur ‚die Katze‘ war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin – und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Will-kür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt. Ein großer europäischer Roman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa.

Saša Stanišić

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad, einer Kleinstadt im östlichen Bosnien, als Sohn einer Bosniakin und eines Serben geboren. Mit 14 Jahren kam er nach Deutschland. Er studierte in Heidelberg Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. Saša Stanišić lebt in Hamburg. 2006 legte er seinen Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert vor, ein poetisch und komisch zugleich bewertetes Werk, das in 30 Sprachen übersetzt wurde. Auch wurde es auf der Bühne aufgeführt. Seitdem wird er mit Preisen überschüttet. In Kibo wird er aus seinem im März erschienenen Roman „Herkunft“ lesen.   

HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

„HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.

In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.“

Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.

»Eines der intelligentesten, geistsprühendsten und – nicht zuletzt – formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs. Eine echte Freude zu lesen!«

Carla Fernandes-Schlegel

Carla Fernandes Schlegel, geboren 1968 in Lissabon, kam im Alter von 19 Jahren nach Deutschland und lebt heute mit ihrer Familie in Eisenberg/Pfalz. Die Autorin schreibt Lyrik und Kurzprosa sowohl in Deutsch als auch in Portugiesisch und ist so in ihrem literarischen Schaffen ihrer ersten Sprache bis heute verbunden. Sprachbilder, Sprachmelodien, bilden in ihrem lyrischen Werk keinen Dualismus, sondern sind zugleich Ergänzung und Erweiterung ihres Sprachraums. Alltagsbeobachtungen spiegeln sich in ihrem Werk ebenso wie Sehnsüchte, Liebesglück und Abschiede wieder. Manchmal sind es auch Reisen hinter die Sprache, in ein Beziehungsgeflecht unbekannter Seelenlandschaften, die sich auffächern in einer filigranen Wirklichkeit.

Texte von Carla Fernandes Schlegel erschienen in Anthologien, den Donnersberger Jahrbüchern und in der Online-Zeitschirft eXperimenta. Außerdem nahm sie an etlichen Lesungen (u.a. Rheinland-Pfälzische Literaturtage) teil. Lesungen, die einen direkten Kontakt mit dem Publikum ermöglichen, mag die Lyrikerin besonders.

Sie ist Mitglied der Literaturgruppe Wachtenburg-Donnersberg.

Timo Scherne

Timo Scherne, 1974 in Kaiserslautern geboren und aufgewachsen in Katzenbach, studierte Kulturanthropologie und Germanistik in Mainz. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte der Nordpfalz kann Timo Scherne vorweisen. Seit 2016 ist er geschäftsführender Vorsitzender des Nordpfälzer Geschichtsvereins. Die von ihm kuratierte Ausstellung „Pfälzer Brauereien“ wurde im „Nordpfälzer Heimatmuseum“ 2016 und im „Alte Welt Museum“ in Nußbach/Pfalz bis Anfang 2019 gezeigt.

Der Geschichte der Bierbrauer in der Pfalz wird sich Timo Scherne in seinem Vortrag widmen, wobei gerade Kirchheimbolanden einmal Standort des Biervertriebs in der ganzen Region gewesen ist.

Timo Scherne lebt heute in Rockenhausen. Er ist Mitglied der Literaturgruppe Wachtenburg-Donnersberg.

In dem Vortrag von Timo Scherne geht es um das Bierbrauen in der Pfalz in Vergangenheit und Gegenwart.

Seit der frühen Neuzeit ist auch bei uns die Bierherstellung unter Aufsicht der Landesherren belegt, herrschaftliche Brauhäuser gab es unter anderem in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Winnweiler.   

Bald wurde auch in kleinen Hausbrauereien von Handwerksmeistern gebraut. Beispiele für solche Familienbetriebe, zu denen in der Regel auch ein Wirtshaus gehörte, befanden sich unter anderem in Kirchheimbolanden und Rockenhausen.       

Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts, die Erfindung der Dampfmaschine und der Eismaschine, brachte auch in der Pfalz einen enormen Aufschwung der Bierproduktion. Die Produkte großer pfälzischer Brauereien wurden landesweit vermarktet und bis in das benachbarte Ausland exportiert. Zu dieser Zeit war auch Kirchheimbolanden ein Standort des Biervertriebs in der Region.

Im Verlauf der Geschichte hat sich das Genuss- und Lebensmittel Bier vielfach gewandelt. Althergebrachte Biersorten wurden um 1840 von der bayrisch-untergärigen Brauweise verdrängt. Dabei fanden vor allem süddeutsche Bierspezialitäten in der Pfalz Verbreitung, bevor sich nach 1950 die Pilsener Brauart großer Beliebtheit erfreute.    

Bier hat seine Geschichte und bezieht sich auf Geschichte: So stehen viele Biermarken für regionale Traditionen, und die „Kirchheimer Bierwoche“ erinnert an die einst zahlreichen Braubetriebe der Stadt.

Birgit Heid

Birgit Heid, Jg. 1961, Betriebswirtin, lebt nach Stationen in Bochum und Wien seit 23 Jahren in Landau. Sie ist erste Vorsitzende des Literarischen Vereins der Pfalz e.V. und Sektionsleiterin der Landauer Gruppe, zudem Mitglied der Deutschen Haiku-Gesellschaft. Sie schreibt Lyrik, Märchen und Kurzprosa. Ein Roman. Neun eigene Buchveröffentlichungen und zwanzig Beiträge in Anthologien. Sie organisiert eigene und Gemeinschaftslesungen in der Region.

Katrin Tempel

Katrin Tempel wurde in Düsseldorf geboren und wuchs in München auf. Nach ihrem Geschichtsstudium arbeitete sie als Journalistin, heute ist sie Chefredakteurin der Zeitschrift »LandIdee«. Außerdem schreibt sie Drehbücher (unter anderem den historischen ZDF-Zweiteiler »Dr. Hope«). Mit ihren Romanen, unter anderem »Holunderliebe« und »Mandeljahre«, gelangen ihr große Publikumserfolge. Sie lebt mit ihrer Familie in Bad Dürkheim an der Weinstraße.

Am 24. Mai 2019 um 19.30 Uhr, stellt Katrin Tempel ihren aktuellen Roman „Das Novembermädchen“ vor, in dessen Mittelpunkt Lina Morgenstern, die Gründerin der Berliner Suppenküchen steht.

Die Geschichte des Novembermädchens beginnt im Jahr 1866: Am Vorabend des Deutsch-Französischen Krieges herrschen Hunger und Leid in Berlin. Da hat die junge Mutter Lina Morgenstern eine Idee: Wenn man Nahrungsmittel in großen Mengen einkauft und zubereitet, können viele Menschen eine gesunde, warme Mahlzeit bekommen. Kurz darauf beginnt ihr Kampf für die erste Berliner Volksküche: der Grundstein für ein Netz aus Suppenküchen in der ganzen Stadt. Doch wird Lina es dabei nicht belassen. Während ihr Mann zu Hause dafür sorgt, dass die fünf Kinder nicht zu kurz kommen, wird aus ihrem sozialen Engagement bald auch ein politischer Kampf für Gerechtigkeit und Frieden.

Katharina Elsinger

Katharina Elsinger wurde 1949 in Rheinhessen geboren, studierte in Frankfurt und Mainz Germanistik und Theologie und war lange und gern Lehrerin in Eisenberg. Sie hatte bisher zwei Fotoausstellungen, veröffentlichte Gedichte in der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte(2007) und in Donnersberg-Jahrbüchern und nahm an zahlreichen Lesungen teil. Sie fotografiert und schreibt, um eher unscheinbaren alltäglichen Augenblicken, Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen.

Sie ist Mitglied der Literaturgruppe Wachtenburg-Donnersberg.

Marianne Baun

Nach dem Abitur in Pirmasens machte Marianne Baun ein Pädagogikstudium in Kaiserslautern und Landau und ein Zusatzstudium für Sonderpädagogik in Mainz und Worms. Sie promovierte in Frankfurt mit einer Arbeit zur „Kommunikationsförderung bei Geistigbehinderten“ (1981 veröffentlicht). Erschienen sind auch „Hilfen zur Sprachförderung bei Lernbehinderten“ (Marhold Verlag Berlin), Aufsätze und Vorträge u.a.m.

Belletristisch wurden von ihr autobiographische Geschichten veröffentlicht wie „Zurück zum Leben“ (2000) und „Mitten im Leben“ (Arbogast Verlag Otterbach, 2000). Darüber hinaus liegen Veröffentlichungen mit Erzählungen und Aphorismen vor wie „Wege zum Glück“ (2003), „Alles hat seine Zeit“ (2008), „Gelingendes Leben“ (2010), „Carpe Diem – Nutze den Tag“ (2013) und „Das Leben genießen“ (2014).

Plus: Kunstausstellung „Ankommen“ von Barbara und Gregor Dittmer

Vernissage: Montag, 6. Mai 2019, 19:30 Uhr, Foyer der Stadthalle Orangerie in Kirchheimbolanden

Mit der Kunstausstellung „Ankommen“ beteiligt sich die Albisheimer Kulturwerkstatt an den Donnersberger Literaturtagen 2019, deren Schülerschreibwettbewerb unter dem Motto „Ankommen“ läuft.

Angekommen sind die beiden Künstler Barbara und Gregor Dittmer seit 2002 im Donnersbergkreis, in Albisheim. In Baden-Württemberg haben sie Kunst und Kunsttherapie studiert. Mit jährlichen Einzel- und Gruppenausstellungen sind die beiden nicht nur in der nahen Kunstszene bekannt.

Angekommen sein, in der Landschaft des Donnersbergkreises und in der Natur. Dieses Ankommen sowie Szenen des Pfälzer Waldes und symbolisch in Koffern verpacktes inneres Ankommen, zeigt die Kunstausstellung im Foyer der Stadthalle in Kirchheimbolanden.

Die Vernissage wird von den Musikern Michael Tropf und Richard Waltner begleitet. Die Dichterin Minna Maria Rembe wird eigene Texte vorlesen.

Veranstalter: Albisheimer Kulturwerkstatt in Zusammenarbeit mit dem Donnersberger Literaturverein und mit Unterstützung des Kultursommers Rheinland-Pfalz.